Die NSA gibt ein Open Air Konzert

Bald ist Bundestagswahl. Merkelt man ja daran, dass viele heikle Themen fallen gelassen werden wie die heißen Kartoffeln oder wahlweise auch unter den Teppich gekehrt werden. Bloß keine Unruhe stiften oder in den Medien unangenehme Themen breit treten.

Prism, Tempora – wen interessiert`s, wir haben ja im Moment den ersten Jahrhundertsommer seit 2003, das ist doch auch schon mal was. Ob unsere Telefonanlagen noch sicher sind, Mails jeder lesen kann, unsere Clouds und Server täglicher Lese- und Belustigungsstoff für NSA-Mitarbeiter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind – wer weiß? Auskunft kriegen wir keine, zumindest nicht von der Bundesregierung.

Von der NSA auch nicht. Auf der NSA Homepage kann man aber unter dem Punkt „Neuigkeiten“ wirklich Weltbewegendes lesen, z.B. dass die NSA den Gewinner des ersten jährlichen „Science of Security“ Wettbewerbs verkündigt. Applaus, darauf hat die Welt gewartet!

Außerdem feiert das Kryptologie Museum den großen Militär-Tag mit einem Open Air Konzert. Die Welt schaut auf die NSA und die gibt Open Air Konzerte. Das ist ja wirklich politisch höchst brisant und auch diese Reaktion haben wir ja alle heiß ersehnt. Endlich mal ein klares Wort. Kon-zer-te!

NSA. Defending our nation. Securing the future. Toll! Hatten die Amis uns nicht schon immer in diversen Endzeitdramen im Kino vor bösartigen Aliens, fürchterlichen Weltkriegen und entsetzlichen Terroristen gerettet, geht nicht die Rettung der Welt immer und immer wieder auf das Konto der USA?

Da müsste man doch ganz dankbar und demütig werden. Hauptsache die Amis retten die Welt. Die NSA und deren Ausgespioniere sind dabei ja auch wirklich voll wichtig, denn die haben ja jetzt wieder schlimme Sachen aufgedeckt. Jetzt aber wirklich! Terrorwarnung an diesem Wochenende. Das ist ja wohl die handfesteste Rechtfertigung, die es überhaupt gibt. Das Totschlagargument sozusagen. Das bisschen Geschnüffel in unserem Privatleben ertragen wir dann doch gerne, schließlich haben wir ja nichts zu verbergen, oder?

Und die Bundesregierung? Die braucht so viel Offensichtlichem doch nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen. Es liegt ja alles auf der Hand, das hat ja wohl jetzt jeder verstanden, auch ohne Stellungnahme von Frau Merkel. Und, jetzt aber mal ganz ehrlich, ein Gutes hat das Ganze doch: man braucht wahrscheinlich gar keine Datensicherung mehr. Wenn Sie mal einen Festplattencrash haben oder wenn Ihnen Outlook abraucht – fragen Sie doch einfach mal bei Big Brother. Die geben Ihnen sicher eine Kopie Ihrer Mails und Daten.

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